Entstehung

Seit vielen Jahren erhalten „Nicht-Landwirte“ auf unterschiedlichste Weise Einblicke in den Lebensalltag der Bäuerinnen und Bauern. Sie erfahren bei Führungen, auf Hoffesten und während des Urlaubs auf dem Bauernhof mehr über die heutige Landwirtschaft. Kleine und große Besucher lernen bei privaten Veranstaltungen oder Schulklassenbesuchen von der Herkunft unserer Lebensmittel.

Im Jahre 1993 hat Christine Hamester-Koch sich dazu entschlossen, das erfahrungsreiche Leben in der Landwirtschaft der Öffentlichkeit als professionelles, pädagogisches Konzept auf ihrem eigenen Hof anzubieten. Zahlreiche unterschiedliche Ziel- und Altersgruppen vom Kindergeburtstag bis zum Abiturjahrgang, vom Erlebnistag für die Kleinsten bis zum Junggesellenabschied, vom Englischkurs bis zum Märchen im Stall, vom Familientag bis zum Jahreskurs haben den vielseitigen landwirtschaftlichen Betrieb leben und lieben gelernt und auch die Besuche im angemessenen Maße honoriert. Ein neuer Betriebszweig ist gewachsen und hat sich etabliert.

Die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein hat diese erfolgreiche Entwicklung verfolgt und daraus einen Lehrgang entwickelt. Mit dem Ziel viele Bäuerinnen und Bauern zu befähigen, für den eigenen Hof ein individuelles innovatives Konzept zu entwickeln und sie bei der erfolgreichen Umsetzung zu unterstützen. In Zusammenarbeit von Heiderose Schiller und Christine Hamester-Koch ist der erste Bauernhofpädagogik Lehrgang 2005 entstanden und seitdem jährlich mit großer Nachfrage durchgeführt worden.

Während ihrer Tätigkeit beim Bioland Landesverband Baden-Württemberg hat sich Anja Kirchner zeitgleich schon immer intensiv für den Lernort Bauernhof engagiert und dem Bedarf entsprechend nach Möglichkeiten zur Qualifizierung in der Bauernhofpädagogik gesucht. Seit 2011 findet auch im Süden in der Kooperation mit Schleswig-Holstein die Qualifizierung Bauernhofpädagogik statt.

2011 hat sich auch in Luxemburg ein Team der APFAPL für den Bauernhofpädagogik Kurs aus Schleswig-Holstein entschieden und diesen als Weiterbildungsmaßnahme durchgeführt.

Inspiriert durch die Teilnahme am Lehrgang 2008 hat Ulrich Hampl in Rheinland-Pfalz 2012 ähnliche Kurse zur Qualifizierung in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Landjugendakademie in Altenkirchen begonnen.

Ebenfalls seit 2005 gibt es in Bayern die Ausbildung „Erlebnisbäuerin/Erlebnisbauern“ mit ähnlichen Inhalten und bis heute mit großer Nachfrage und großem Erfolg.

Basierend auf diesen langjährigen Erfahrungen von mehrtägigen Fortbildungsmodulen für Landwirte haben im Jahr 2015 das „Forum LernortBauernhof“ und die „Bundesarbeitsgemeinschaft Lernort Bauernhof“ (BAGLoB) gemeinsam ein Curriculum für die Weiterbildung von Landwirten und anderen Akteuren auf den Höfen herausgegeben. Diese Rahmenempfehlungen dienen der Qualitätsentwicklung in der außerschulischen Bildung auf Bauernhöfen. Mit diesem Curriculum lässt sich die Qualität der Bildungsangebote auf Bauernhöfen erkennen, vergleichen und steigern.

Ergänzend zu den Kurserfahrungen werden Seminare und Workshops, individuelle Beratungen und Coachings direkt vor Ort angeboten. Interessierten Bauernhofpädagogik-Akteuren werden individuelle Entwicklungschancen aufgezeigt und sie werden auf Wunsch bei der Umsetzung professionell beraten und begleitet. Mittlerweile gibt es über 500 qualifizierte Betriebe aus den Bauernhofpädagogik Lehrgängen, wovon über 85% der Teilnehmer danach erfolgreich ihre Konzepte umsetzen.